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von RA Phil Salewski

Frage des Tages: Wie sind Wertgutscheine im Online-Shop korrekt zu besteuern?

News vom 24.01.2022, 10:37 Uhr | Keine Kommentare

Viele Händler bieten in eigenen Online-Shops neben ihrem normalen Sortiment auch Wertgutscheine an, die nach Kauf zum Erwerb von Sortimentsbestandteilen eingelöst werden können. In Anlehnung daran, dass in Online-Angeboten auf eine gegebenenfalls enthaltene Mehrwertsteuer hingewiesen werden muss, stellt sich vielen Händlern die Frage, wie Wertgutscheine umsatzsteuerrechtlich zu handhaben und mit dem Preishinweis auf eine enthaltene MwSt. in Einklang zu bringen sind. Antworten liefert dieser Beitrag.

Viele Händler bieten in eigenen Online-Shops neben ihrem normalen Sortiment auch Wertgutscheine an, die nach Kauf zum Erwerb von Sortimentsbestandteilen eingelöst werden können. In Anlehnung daran, dass in Online-Angeboten auf eine gegebenenfalls enthaltene Mehrwertsteuer hingewiesen muss, stellt sich vielen Händlern die Frage, wie Wertgutscheine umsatzsteuerrechtlich zu handhaben sind. Antworten liefert dieser Beitrag.

I. Wertgutscheine im Online-Shop: inkl. MwSt oder nicht?

Das geltende Steuerrecht differenziert für die korrekte umsatzsteuerrechtliche Behandlung von Gutscheinen zwischen sog. Einzweck-Gutscheinen einerseits und Mehrzweck-Gutscheinen andererseits.

1.) Einzweck-Gutscheine

Ein Einzweck-Gutschein ist ein Gutschein, bei dem bereits bei der Ausstellung alle Informationen vorliegen, die benötigt werden, um die umsatzsteuerliche Behandlung der zugrundeliegenden Umsätze mit Sicherheit zu bestimmen (Leistungsort, Steuersatz). Das heißt, dass bereits bei der Ausgabe des Gutscheins feststehen muss, welcher Steuersatz bei der Einlösung des Gutscheins anzuwenden ist.

Bei Einzweck-Gutscheinen erfolgt die mehrwertsteuerrechtliche Erhebung direkt beim Erwerb des Gutscheins, d.h. bereits die Ausstellung des Gutscheins ist die umsatzsteuerrechtlich maßgebliche Leistung (§ 3 Abs. 14 UStG).

Auf einen Einzweck-Gutschein, bei dem bereits Lieferort und Steuersatz feststehen, muss bereits bei Erwerb die gesetzliche Umsatzsteuer erhoben werden. Die tatsächliche Ausführung der Leistung durch Einlösung des Gutscheins wird dann nicht mehr besteuert.

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2.) Mehrzweck-Gutscheine

Wertgutscheine im Sortiment eines Online-Handels sind regelmäßig allerdings keine „Einzweckgutscheine“.

Sie gelten nämlich für ein gesamtes Sortiment, in dem gegebenenfalls unterschiedliche Steuersätze zur Anwendung kommen können, und auch unabhängig von einem konkreten Leistungsort. Letzterer steht beim Angebot des Gutscheins noch nicht fest, sondern konkretisiert sich ja gerade erst dann mit der Lieferadresse, wenn der Gutschein für eine Bestellung eingelöst wird.

Wertgutscheine im Online-Shop sind daher grundsätzlich sog. „Mehrzweck-Gutscheine“ im Sinne von § 3 Abs. 15 UStG, die eine andere umsatzsteuerrechtliche Behandlung erfahren.

Mehrzweck-Gutscheine sind solche, die ohne Bindung an eine Leistung mit bestimmtem Steuersatz und ohne feststehenden Leistungsort ausgestellt werden.

Solche Gutscheine unterliegen erst dann der Umsatzsteuer, wenn sie für eine bestimmte Leistung eingelöst werden.
Besteuert wird dann die Ware, die mit einem Mehrzweck-Gutschein erworben wird.

Die Ausgabe des Mehrzweck-Gutscheins stellt aber lediglich einen Umtausch von Geld in eine andere Art von Zahlungsmittel dar und unterliegt noch keiner Besteuerung.

II. Umgang mit dem Mehrwertsteuer-Hinweis bei Mehrzweck-Gutscheinen

Weil beim Verkauf von Mehrzweck-Gutscheinen die tatsächliche anfallende Steuerlast damit im Zeitpunkt der Gutschein-Bestellung noch nicht feststehen kann und sich vielmehr erst im Zeitpunkt von deren Einlösung konkretisiert, fällt beim Kauf von Mehrzweck-Gutscheinen im Online-Shop keine Umsatzsteuer an.

Mithin darf auf Produktdetailseiten von Mehrzweck-Gutscheinen im Online-Shop auch der Hinweis „inkl. MwSt.“ nicht erscheinen.

Werden Mehrzweck-Gutscheine von Kleinunternehmern ausgegeben, darf dort auch der Hinweis auf die Kleinunternehmerbesteuerung („Kein Ausweis der MwSt. wg. § 19 UStG“ oder Ähnliches) nicht erscheinen, weil die Kleinunternehmerregelung hier irrelevant ist. Auf den Gutscheinerwerb entfällt ja unabhängig vom Steuerstatus des Händlers noch keine MwSt.

III. Fazit

Das Umsatzsteuerrecht unterscheidet zwischen Einzweck- und Mehrzweck-Gutscheinen.

Werden auf erste schon beim Erwerb die Umsatzsteuer anfällt, ist der Erwerb eines Mehrzweck-Gutscheins umsatzsteuerfrei und besteuert wird erst die Ware, gegen welche der Gutschein eingelöst wird.

Wertgutscheine, die in Online-Shops ausgegeben werden, sind grundsätzlich Mehrzweck-Gutscheine.

Online-Händler müssen beim Angebot solcher Gutscheine auf den Preishinweis „inkl. MwSt.“ verzichten, weil diese tatsächlich beim Gutscheinerwerb nicht anfällt.

Tipp: Sie haben Fragen zu dem Beitrag? Diskutieren Sie hierzu gerne mit uns in der Unternehmergruppe der IT-Recht Kanzlei auf Facebook.

Autor:
Phil Salewski
Rechtsanwalt

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