Leserkommentare zum Artikel

Lithiumbatterien und sonstiger Brennstoff: Der rechtssichere Versand von gefährlichen Gütern

Viele Händler verkaufen Gefahrgüter, ohne sich dessen bewusst zu sein – einfach deshalb, weil viele Alltagsgegenstände das Label „Gefahrgut“ tragen, bei denen man auf den ersten Blick gar nicht damit rechnet. Gerade im Fernabsatzhandel können solche Pannen jedoch schädlich sein, denn beim Versand dieser Güter gelten besondere Vorschriften, die bei Missachtung oftmals gewerbe- und wettbewerbsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen. Ein beliebtes Beispiel hierfür sind lithiumhaltige Batterien wie z.B. die sogenannten Knopfzellen.

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...nur begrenzt zielführend

Beitrag von Jens-Thomas Rueckert
26.05.2011, 13:31 Uhr

Zunächst einmal: ALLE Lithium - Batterien sind als Gefahrgut anzusehen. Die Freistellungen sind verkehrsträgerbezogen, d.h. es gilt im ADR die Sonderbestimmung 188. Jedoch: Mindestanforderungen an die Verpackung bestehen, u.u. muss ebenfalls gekennzeichnet oder markiert werden. Im Luftverkehr - nur LuftFRACHT - sind die Freistellungen in Teil II der Verpackungsanweisungen 965 bis 970 der IATA Gefahrgutvorschriften geregelt. Das "Mitführen" von Lithium - Batterien und Geräten mit Lithiumbatterien regelt die Tabelle 2.3.A der IATA DGR: http://www.iata.org/whatwedo/cargo/dangerous_goods/Documents/DGR52_Table23A_De.pdf Die Bestimmungen zum Frachtversand finden sich hier: http://www.iata.org/whatwedo/cargo/dangerous_goods/Pages/lithium_batteries.aspx

Es ist wichtig zu verstehen, dass JEDE Lithium-batterie, auch eingebaut in Geräten (z.B. Mobiltelefone) nach den Bestimmungen des Weltpostvereins (UPU, Universal Postal Union) in der Luftpost VOLLSTÄNDIG verboten sind.

Hinzu kommt: es dürfen NUR Batterien versendet werden, für die ein Nachweis einer erfolgreichen Baumusterprüfung nach Massgabe von Teil III, Unterabschnitt 38.3 des UN - handbuches für Prüfungen und Testkriterien vorliegt. Daran scheitern die meisten Versender.

Lithium - Batterien werden in zwei Typen unterschieden: UN 3090 - Lithium - Metall-Batterien (nicht wiederaufladbar) UN 3480 - Lithium - Ionen - Batterien (einschliesslich Lithium - Polymer-Batterien) - wiederaufladbar.

Im Transportrecht gibt es vier Szenarien, die sich durch die sog. "Richtige Versendbezeichnung" ausdrücken: UN 3090, Lithium - Metallbatterien UN 3091, Lithium - Metallbatterien, IN Ausrüstungen UN 3091, Lithium - Metallbatterien, MIT Ausrüstungen verpackt UN 3480, Lithium - Ionen - Batterien UN 3481, Lithium - Ionen - Batterien, IN Ausrüstungen UN 3481, Lithium - Ionen - Batterien, MIT Ausrüstungen verpackt.

Jedes der vorerwähnten Szenarien hat seine eigene sog. "Verpackungsanweisung".

Im Luftverkehr regelt der Teil II der zutreffenden VA die Freistellung, im Strassenverkeht Sondervorschrift 188. Jedoch: AUch wenn "Freigestellte" Batterien von den übrigen Vorschriften befreit sind, so müssen doch die Bestimmungen, die Voraussetzung zur Freistellung sind, eingehalten werden und das Transportgut bleibt Gefahrgut.

Nein

Beitrag von C. Engel
29.10.2010, 10:39 Uhr

Nein, Notebooks und ähnliche Geräte können (weiterhin) ohne Gefahrenzettel transportiert werden. Die genannten Bestimmungen beziehen sich ausdrücklich auf Lithiumzellen, und nicht auf die in Notebooks und Kameras häufig eingesetzten Lithium-Ionen-Akkus.

Der Grund, wieso ausgerechnet lose Lithiumbatterien, insbesondere die sog. "Knopfzellen", als Gefahrgut gehandhabt werden, ist rein technischer Natur: Wenn diese Zellen lose gelagert werden und Kontakt zueinander haben, kann es zu den geschilderten Komplikationen kommen. Dies ist z.B. auch der Grund dafür, dass Lithiumzellen im Einzelhandel grundsätzlich in Blistern verkauft werden, in denen die einzelenen Batterien voneinander isoliert sind.

Freigrenzen

Beitrag von Dieter Mertens
23.10.2010, 23:59 Uhr

...im Normalfall dürften für normale Einzelhändler die Freigrenzen ausreichen, um ohne die genannten Maßnahmen versenden zu können.

http://www.batteryuniversity.eu/images/stories/UN-T-Test/pdf/UN-Regeln_Versand_Li-Batt_2009.pdf

http://docs.google.com/viewer?a=v&q=cache:wAphU6hrflcJ:www.extraenergy.org/files/BerndHilke-LiIon-Gesetze.pdf+%22ADR-Sondervorschrift+188%22&hl=de&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEEShXYyU5I5jWiQ4-9lHSK5wakR3nP6I_k2pT2IMpr9ZWV5iSVjX_Tv8MibjZ1S7D9jDO-1A597Zrf0AKz218lCxNn05eoyehFeHHdd6PRBtG5mCVqRaFW2eCBE_9YwX9zuEeBGh6&sig=AHIEtbQxf-1G59paIQ6EzyBhJxseBTUgLQ

Wenn ich das richtig interpretiere, gilt im Normalfall mindestens die 20 Watt Freigrenze. Eine normale Lithiumzelle hat gerade einmal 0,5 W/h

Habe ich das jetzt richtig verstanden?

Beitrag von Ich-schon-wieder
16.10.2010, 10:57 Uhr

Wenn ich diesen Artikel lese und richtig deute, heisst das doch auch, dass jedweder Versand von mit Lithiumbatterien bestücktem Gerät ein Gefahrguttransport wäre, oder ?

Dies würde dann z.B. auch den Versand von PCs, Notebooks, Spielzeug, Unterhaltungselektronik, Taschenrechnern, Küchenwaagen und vielem anderem mehr betreffen. Eben Alles was in irgendeiner Weise eine Lithiumbatterie beinhaltet und das sind heutztage ja ziemlich viele Geräte.....

Muss man dann eigentlich nicht auch bei der Beförderung eines Notebooks im Flugzeug besondere Voricht walten lassen und spezielle Sicherheitsmechanismen einführen ? So sollte doch dann lieber ab sofort das Notebook während des Transportes in doppelte Folie eingeschweißt werden müssen ! So ein Akku oder die CMOS Batterie könnte ja auch im Flugzeug anfangen zu brennen... Müssen wir jetzt auch bei einer Bahnfahrt mit Kontrollen rechnen und das Notebook dort als Gefahrgut angeben ? Und eigentlich gehört nach dieser Logik auf jeden Laptopbag ein spezieller gut sichtbarer Warnhinweius was genau da drin transportiert wird, oder ? Und nicht vergessen,auch immer schön den Begleitzettel in die Tragetasche legen......

Oder gelten diese Vorschriften nur für den Weg vom Händler zum Endverbraucher und dem wird hinterher nicht mehr auf die Finger geschaut, was er mit dem Gefahrgut anstellt ?

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