von Mag. iur Christoph Engel

Des Obstes Kern? Abmahnungen im Zusammenhang mit Grapefruitkernextrakten

News vom 03.05.2012, 11:10 Uhr | 51 Kommentare 

In den vergangenen Jahren wurde Grapefruitkernextrakt als Universalmittel bei allerlei Erkrankungen und körperlichen Leiden angepriesen. Leider hält dieser Extrakt nicht ganz das, was er verspricht, und von staatlicher Seite wurde auch schon vor diesem Präparat gewarnt. Das Anbieten von Grapefruitkernextrakten in Onlineshops führt daher zu unkalkulierbaren wettbewerbsrechtlichen Risiken.

Hintergrund

Grapefruitkernextrakte (GKE) werden mit Hilfe von Lösungsmitteln aus zerkleinerten Grapefruitkernen gewonnen, die als Abfallprodukt in der Nahrungsmittelindustrie anfallen. Der Extrakt soll insbesondere antimikrobielle und antimykotische Wirkungen haben, also gegen Bakterien- und Pilzbefall helfen. Ein genauer Wirkmechanismus ist dabei jedoch nicht bekannt.

Ernstzunehmende wissenschaftliche Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass die Wirkung gar nicht auf Inhaltsstoffen der Grapefruitkerne beruht, sondern auf den chemischen Zusätzen Benzethoniumchlorid und Triclosan. Letztere werden dem Extrakt häufig als Konservierungsmittel beigemischt, und zwar gerade weil sie eine antimikrobielle Wirkung aufweisen. Insbesondere Benzethoniumchlorid weist jedoch diverse schädliche Nebenwirkungen auf, sodass Produkte mit diesem Zusatz nicht als Lebensmittel oder Nahrungsergänzungsmittel vertrieben werden dürfen. Schon 1998 hatte das damalige Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) generell von der Verwendung von Produkten, die Grapefruitkernextrakte enthalten, gewarnt.

Starterpaket

Abmahnungen

Der IT-Recht Kanzlei München liegen Abmahnungen vor, die den Vertrieb von Grapefruitkernextrakten als Nahrungszusatz betreffen. Als Grund angeführt wird insbesondere der Umstand, dass der Extrakt den chemischen Zusatz Benzethoniumchlorid enthält und somit ein nicht sicheres Lebensmittel ist. Diesem Argument ist letztlich nicht beizukommen – Produkte, die diesen Stoff tatsächlich enthalten, müssen vom Markt.

Umgehungsversuche

Aber so vielfältig wie die Abmahngründe sind, so vielfältig sind auch die Versuche, Abmahnungen zu vermeiden und die Kundschaft trotzdem zu erreichen. Ein findiger Versuch etwa besteht darin, das Produkt einfach neu zu kategorisieren – schon wird aus einem Lebensmittelzusatz ein Reinigungsmittel, welches Benzethoniumchlorid enthalten darf. Wird dabei auch noch der alte Produktname beibehalten, bleibt das Produkt über Google für den Kunden auffindbar. Mit dieser Methode wurde z.B. Stevia jahrelang als Badezusatz vertrieben, bis es letztendlich als verkehrsfähiger Lebensmittelzusatzstoff zugelassen wurde.

Aber Vorsicht! Diese Methode scheidet für Händler in der Regel aus, da hierzu die Verpackung und insbesondere auch die Etikettierung komplett umgestellt werden müssen. Wird das GKE-haltige Produkt einfach nur im Webshop anders benannt und unter einer anderen Produktkategorie eingeordnet, weist das Etikett in der Regel dennoch auf eine Verwendung als Nahrungszusatz hin – die Gefahr einer Abmahnung ist somit überhaupt nicht gebannt.

Kommentar

Die Grapefruitkernextrakte scheinen sich in die lange Reihe von Wundermittelchen einzureihen, über die auf dieser Seite schon berichtet wurde. Ein gravierender Unterschied besteht jedoch: Während viele Produkte aus dem Bereich Wellness und Gesundheit trotz intensiver Werbung keine nachweisbare Wirkung haben, kommt bei Grapefruitkernextrakten eben noch das zusätzliche Problem dazu, dass der Zusatz Benzethoniumchlorid nachweislich eine gesundheitsschädliche Wirkung hat. Aus gesundheitlicher Perspektive dürften GKE-Produkte also tatsächlich eher bedenklich als förderlich sein. Und gerade aus diesem Grunde sollten Händler sich des juristischen Risikos bewusst sein, das diesen Produkten anhaftet, und im Zweifel GKE aus ihrem Sortiment entfernen.

Bildquelle:
© ExQuisine - Fotolia.com
Autor:
Mag. iur Christoph Engel
(freier jur. Mitarbeiter der IT-Recht Kanzlei)

Besucherkommentare

Die Wirksamkeit von verarbeitetem Grapefruitkernextrakt als antibakterielles Mittel: II. Wirkmechanismus und In-vitro-Toxizität.

31.10.2018, 23:44 Uhr

Kommentar von Studie auf Pubmed

ZIELE: Jüngste Referenzen berichten, dass Grapefruitkernextrakt oder GSE (Citricidal) gegen mehr als 800 Bakterien- und Virusstämme, 100 Pilzstämme und eine große Anzahl von ein- und mehrzelligen...

Lebensqualität

26.10.2018, 22:09 Uhr

Kommentar von Josef

Seit ich Citrosept nehme bin ich wie ein neuer Mensch. Topfit !!!

Citricidal

03.10.2018, 11:10 Uhr

Kommentar von Pippo

Ich höre nur positives aus allen Foren und im Kollegenkreis. BigPharma möchte natürlich keine gesunden Menschen, daher der Verbot auf dem Markt. Hinterfragt doch lieber die Zigarette die viel mehr...

Frau

02.10.2018, 12:49 Uhr

Kommentar von Manuela

Ja klar viel viel besser sind sicherlich synthetischer Müll, sprich Tabletten, mit denen der Körper aber schon überhaupt nichts anfangen kann - wie ???

Ich

16.09.2018, 14:17 Uhr

Kommentar von Regina

An die Leute mit den Beschwerden der Nebenhöhlenentzündung versucht es mal mit weglassen von Jodsalz und Produkten mit Jodsalz bzw Milch und Milchprodukte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz...

LL.M.

23.07.2018, 04:30 Uhr

Kommentar von Peter

Die Behauptungen hinsichtlich der wissenschaftlich nicht nachgewiesen Wirksamkeit beruhen entweder auf Faulheit des Autors sich in die Materie einzuarbeiten oder schlichter Nachlässigkeit. Dabei ist...

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