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Kennzeichnung reiner Textilerzeugnisse

Kennzeichnung reiner Textilerzeugnisse

Frage: Wie sind reine Textilerzeugnisse zu kennzeichnen?

Nur Textilerzeugnisse, die ausschließlich aus einer Faser entsprechend des Anhangs I der Verordnung bestehen, dürfen gemäß Artikel 7 Abs. 1 der EU-Textilkennzeichnungsverordnung den Zusatz

  • „100 %“ oder
  • „rein“ oder
  • „ganz“

tragen.

Achtung: Umstritten ist derzeit, ob Artikel 7 Abs. 1 der EU-Textilkennzeichnungsverordnung dahingehend auszulegen ist, dass zwingend eine Klarstellung zu erfolgen hat, daß es sich um ein reines, ausschließlich aus einer Faser bestehendes Textilerzeugnis handelt. Oder anders formuliert: Ist die Verwendung eines der drei in Artikel 7 genannten Zusätze - nämlich „100 %", „rein" oder „ganz" - bei ausschließlich aus einer Faser bestehenden Textilerzeugnisse zwingend oder handelt es sich nur um eine Option für solche Erzeugnisse aber nicht um eine Verpflichtung? Diese Fragen hat das LG Köln dem Gerichtshof der Europäischen Union zur Vorabentscheidung vorgelegt (vgl. LG Köln, EuGH-Vorlage vom 18. Mai 2017 – 31 O 58/16).

Tipp für Online-Händler: Dem sichersten Weg entspricht es aktuell, bei nur aus einer Faser bestehenden Textilerzeugnis ausnahmslos einen der nachfolgenden Zusätze zu gebrauchen: "100 %, oder "rein" oder "ganz".

Für andere Textilerzeugnisse dürfen diese oder ähnliche Formulierungen dagegen nicht verwendet werden - vgl. Artikel 7 Absatz 1 der EU-Textilkennzeichnungsverordnung.

Beispiel 1 - Richtig wäre die Bezeichnung:

- "100% Seide"
-"reine Seide"
-"ganz Seide"

Beispiel 2 - Falsch wäre dagegen die Bezeichnung:

  • "100 % reine Baumwolle"
  • "absolut Baumwolle"
  • "nur Baumwolle"

Frage: Sind Textilerzeugnisse mit Fremdfasern von 2 % Gewichtsanteil "reine" Textilerzeugnisse?

Ein Textilerzeugnis, das einen Gewichtsanteil an Fremdfasern von nicht mehr als 2 % enthält, kann als ausschließlich aus einer Faser bestehend behandelt werden, sofern dieser Anteil dadurch gerechtfertigt ist, dass er bei guter Herstellungspraxis technisch unvermeidbar und nicht Ergebnis einer systematischen Hinzufügung ist - vgl. Artikel 7 Absatz 2 der EU-Textilkennzeichnungsverordnung.

Abweichendes hiervon gilt bei Verwendung der Bezeichnung "Schurwolle": So darf gemäß Art. 8 Abs. 3 EU-Textilkennzeichnungsverordnung der Gewichtsanteil von Fremdfasern für Wollerzeugnisse, deren Bezeichnung der Faserzusammensetzung die Angabe "Schurwolle" enthält, 0,3 % nicht überschreiten.

Frage: Ist ein im Streichverfahren gewonnenes Textilerzeugnis mit Fremdfasern von nicht mehr als 5 % Gewichtsanteil ein "reines" Textilerzeugnis?

Ein im Streichverfahren gewonnenes Textilerzeugnis kann auch als ausschließlich aus einer Faser bestehend behandelt werden, wenn es einen Gewichtsanteil an Fremdfasern von nicht mehr als 5 % enthält, sofern dieser Anteil dadurch gerechtfertigt ist, dass er bei guter Herstellungspraxis technisch unvermeidbar und nicht Ergebnis einer systematischen Hinzufügung ist - vgl. Artikel 7 Absatz 3 der EU-Textilkennzeichnungsverordnung.

Abweichendes hiervon gilt bei Verwendung der Bezeichnung "Schurwolle": So darf gemäß Art. 8 Abs. 3 EU-Textilkennzeichnungsverordnung der Gewichtsanteil von Fremdfasern für im Streichverfahren gewonnene Wollerzeugnisse, deren Bezeichnung der Faserzusammensetzung die Angabe Ü*"Schurwolle"* enthält, 0,3 % nicht überschreiten.

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